„Duftkerzen sind so schädlich wie eine Hauptstraße" — solche Schlagzeilen liest man immer wieder. Wir gießen unsere Kerzen seit Jahren selbst und wollten es genau wissen: Was ist dran, und was ist Panikmache? Hier ist die ehrliche Antwort — mit Quellen von Umweltbundesamt, BfR und Verbraucherzentrale.
Vorweg, weil es uns wichtig ist: Wir verkaufen Kerzen. Trotzdem bekommt ihr hier keine schöngefärbte Antwort. Eine Kerze ist eine kleine, offene Verbrennung in eurem Wohnzimmer — und es wäre unehrlich, so zu tun, als passiere dabei gar nichts. Die spannende Frage ist nicht ob etwas entsteht, sondern wie viel, wann es relevant wird und was ihr selbst in der Hand habt.
01Was beim Abbrennen wirklich passiert
Jede Flamme ist eine Verbrennung, und jede Verbrennung erzeugt feine Partikel. Das Umweltbundesamt nennt Kerzen ausdrücklich als eine von mehreren Feinstaubquellen im Innenraum — gemeinsam mit Rauchen, Kochen und Braten, Staubsaugen ohne Feinfilter und Bürogeräten. Das ist erstmal keine Eigenschaft „böser" Kerzen, sondern schlicht Physik.
Ein Punkt, der dabei oft untergeht: In geschlossenen Räumen verteilt sich die Luft schlechter als draußen. Deshalb kann die Feinstaubkonzentration in der Innenraumluft laut Umweltbundesamt sogar höher liegen als draußen an der Straße. Das klingt dramatischer, als es ist — sagt aber, warum Lüften so viel bringt (dazu später mehr).
02Wie ernst ist das? Was die Forschung sagt
Hier lohnt der genaue Blick. Das Umweltbundesamt beschreibt, dass besonders ultrafeine Partikel tief in die Atemwege bis in die Lungenbläschen vordringen und von dort teilweise sogar in den Blutkreislauf übergehen können. Lagern sich an Rußpartikeln zusätzlich bestimmte Verbindungen an, können diese mit aufgenommen werden — relevant wird das vor allem bei höheren Konzentrationen über längere Zeiträume.
Das Entscheidende dabei: Es macht einen riesigen Unterschied, ob und wie stark eine Kerze rußt. Eine Kerze, die schwarze Fahnen zieht und das Glas innen rußig färbt, ist etwas völlig anderes als eine, die ruhig und mit kleiner, heller Flamme brennt. Genau an dieser Stelle hört das Thema auf, ein abstraktes Schreckgespenst zu sein — und wird zu etwas, das ihr selbst beeinflusst.
Nicht „die Kerze an sich" ist das Problem, sondern eine rußende Kerze. Sauber und ruhig abbrennen lassen ist der mit Abstand größte Hebel für saubere Luft.
03Der eigentliche Hebel: sauberer Abbrand
Die Verbraucherzentrale und das Umweltbundesamt geben hier denselben, erfreulich praktischen Rat: Achtet darauf, dass eure Kerzen nicht rußen. Ein zu langer Docht und Zugluft sind die Hauptursachen für Ruß — und damit für den Feinstaub, um den es geht. UBA-Innenraumexperte Heinz-Jörn Moriske rät in einem Beitrag des Umweltbundesamts ausdrücklich, auf eine passende Dochtlänge und einen zugfreien Standort zu achten.
Und genau hier kommt das Handwerk ins Spiel. Eine Kerze brennt sauber, wenn drei Dinge stimmen:
- ein sauberer Baumwolldocht ohne Metallkern, in der richtigen Stärke fürs Glas — damit die Flamme klein und ruhig bleibt
- gut gebundenes Wachs, das gleichmäßig und vollständig verbrennt
- und das richtige Abbrennen durch euch: Docht kürzen, kein Durchzug, ruhig brennen lassen
Deshalb gießen wir unsere Kerzen aus reinem Sojawachs mit Baumwolldochten ohne Metallkern — nicht, weil das ein Wundermittel wäre, sondern weil sauberer Abbrand bei diesem Material und mit der richtigen Pflege einfacher gelingt. Wie das genau geht, haben wir in unserem Leitfaden Duftkerze richtig abbrennen Schritt für Schritt aufgeschrieben. Wer den Docht regelmäßig kürzen möchte, dem hilft ein Dochtschneider — die Marke ist dabei egal, Hauptsache, ihr macht es überhaupt.
„Eine Kerze ist nicht automatisch schädlich — eine rußende Kerze ist es eher."
04Und der Duft? Was über Duftstoffe bekannt ist
Die zweite große Sorge betrifft den Duft. Hier ist die Studienlage differenzierter, als beide Lager oft behaupten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hält fest: Es sind keine Fälle bekannt, in denen das Einatmen von Duftstoffen die Ursache einer Allergie war. Bei Menschen mit einer bereits bestehenden Hautallergie gegen einen Duftstoff können die Symptome über die Atemluft allerdings verstärkt werden.
Gleichzeitig sind BfR und Umweltbundesamt ehrlich: Wie sich niedrig dosierte Duftstoffe auswirken, wenn man sie über sehr lange Zeit einatmet, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Für euch heißt das ganz pragmatisch: Wer Düfte gut verträgt, kann sie mit gutem Gewissen genießen. Empfindliche Menschen, Allergikerinnen und Asthmatiker sollten maßvoll beduften, regelmäßig lüften und im Zweifel auf Duft verzichten — gerade in Schlaf- und Kinderzimmern.
Was wir daraus für uns ableiten: Wir dosieren den Duft bewusst nicht bis ans Maximum. Eine Kerze soll einen Raum begleiten, nicht überlagern. Und das Bundesumweltministerium bringt den wichtigsten Tipp ohnehin auf einen Nenner — ein gesundes Raumklima entsteht vor allem durch ausreichendes Lüften.
05Was du konkret tun kannst
Die gute Nachricht zum Schluss: Fast alles, was wirklich zählt, liegt in eurer Hand — und kostet nichts.
1. Docht vor jedem Anzünden auf 5–6 mm kürzen.
2. Kerze ohne Zugluft aufstellen — nicht ans offene Fenster, nicht in den Heizungsstrom.
3. Ruhig und vollständig abbrennen lassen, nicht ständig an- und auspusten.
4. Nicht überbeduften — eine Kerze pro Raum reicht.
5. Nach dem Löschen kurz lüften. Das ist der wirksamste Schritt von allen.
Sind Duftkerzen also schädlich? Für die allermeisten Menschen lautet die ehrliche Antwort: nicht bei vernünftigem Gebrauch. Eine sauber brennende Kerze in einem gelüfteten Raum ist kein Gesundheitsrisiko — eine rußende Kerze hinter geschlossenen Fenstern über Stunden ist eine andere Geschichte. Den Unterschied macht ihr selbst, mit ein paar Handgriffen. Und genau so gehen wir auch zuhause mit unseren eigenen Kerzen um.
Quellen & Weiterlesen
- Umweltbundesamt — Feinstaub in Innenräumen
- Umweltbundesamt — Lüften ist das beste Mittel gegen Staub
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) — Allergien durch Einatmen von Duftstoffen?
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit — Duftstoffe und Innenraumluft
- Verbraucherzentrale — Kerzen: Schadstoffe vermeiden